Frisch gegart oder Trockenfutter? Was Studien über den Verarbeitungsgrad zeigen

Frisch gegart oder Trockenfutter? Was Studien über den Verarbeitungsgrad zeigen

Stand: Oktober 2026 | Lesedauer ca. 8 Minuten

Trockenfutter, Nassfutter, frisch gegart: Hundefutter unterscheidet sich nicht nur in den Zutaten, sondern auch darin, wie stark es verarbeitet und erhitzt wird. Die Forschung dazu ist noch jung, aber es gibt inzwischen kontrollierte Studien zu Verdaulichkeit, Nährstoffen und Stoffwechsel. Wir haben uns angeschaut, was sie zeigen, und auch, wo ihre Grenzen liegen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Trockenfutter wird bei hohen Temperaturen unter Druck hergestellt, Dosenfutter bei über 120 °C sterilisiert. Unsere Frischemenüs werden bei 72 °C schonend gegart.
  • Beim Erhitzen wird ein Teil der Aminosäure Lysin blockiert und für den Hund unbrauchbar. In einer Analyse von 41 Hundefuttern war dieser Anteil bei Trockenfutter höher als bei frischem Futter.
  • In kontrollierten Studien waren Eiweiß und Fett aus frisch gegartem Futter besser verdaulich als aus Trockenfutter, und die Hunde setzten weniger Kot ab.
  • Bei Senior-Hunden veränderten sich nach der Umstellung auf frisch gegartes Futter innerhalb eines Monats zahlreiche Stoffwechselwerte im Blut.

Alle Aussagen sind mit Quelle belegt und stammen aus peer-reviewten Studien beziehungsweise, wo gekennzeichnet, aus Halterbefragungen. Die vollständige Liste findest du am Ende des Artikels.

Trockenfutter, Nassfutter, frisch gegart: Was ist der Unterschied? 

Der größte Unterschied liegt darin, wie stark und wie heiß ein Futter verarbeitet wird:

  • Trockenfutter wird extrudiert. Die Zutaten werden zu einem Teig vermischt und bei hohen Temperaturen und hohem Druck durch eine Düse gepresst. Danach werden die Kroketten getrocknet.
  • Nassfutter in Dosen oder Schalen wird nach dem Verschließen bei über 120 °C sterilisiert, damit es ohne Kühlung haltbar ist.
  • Frisch gegartes Futter wird bei deutlich niedrigeren Temperaturen gegart und danach gekühlt oder tiefgefroren. Unsere Frischemenüs garen wir bei 72 °C.

Wichtig: Frisch gegart ist nicht dasselbe wie roh. Durch das Garen werden Keime abgetötet, die in rohem Fleisch vorkommen können.

Was beim Erhitzen mit den Nährstoffen passiert 

Wird eiweißhaltiges Futter erhitzt, reagieren Eiweiße und Zucker miteinander. Das ist die sogenannte Maillard-Reaktion, die auch Brotkruste und Bratenkruste braun macht. Dabei entstehen unter anderem AGEs (Advanced Glycation End Products), und ein Teil der Aminosäure Lysin wird so verändert, dass der Hund ihn nicht mehr verwerten kann. Lysin ist essenziell, der Hund muss es also mit dem Futter aufnehmen.

Eine Analyse von 41 handelsüblichen Hundefuttern verglich frisches, Trocken-, Nass- und gefriergetrocknetes Futter. Bei Trockenfutter waren 4,9 % des Lysins blockiert, bei frischem Futter 3,2 %. Frisches Futter enthielt außerdem insgesamt mehr Lysin. Die höchsten AGE-Werte fanden sich im sterilisierten Nassfutter. Die Studie wurde von einem Frischfutter-Unternehmen mitfinanziert.

Quelle: A Comparative Analysis of Maillard-Derived α-Dicarbonyl Compounds and Advanced Glycation End Products in Fresh, Wet, Kibble, and Freeze-Dried Dog Foods. J Anim Physiol Anim Nutr. 2026.

Verdaulichkeit: Wie viel vom Futter im Hund ankommt

Wie gut ein Futter verdaulich ist, zeigt sich unter anderem an der Kotmenge: Was nicht verdaut wird, kommt hinten wieder raus.

In einer kontrollierten Studie der University of Illinois bekamen Beagle nacheinander Trockenfutter, zwei frisch gegarte Futter und ein Rohfutter. Eiweiß und Fett waren in den frisch gegarten Futtern besser verdaulich als im Trockenfutter. In einer zweiten Studie derselben Forschungsgruppe setzten Hunde mit Trockenfutter 1,5- bis 2,9-mal mehr Kot ab als mit verschiedenen frisch gegarten Futtern, gerechnet auf die Trockenmasse. Beide Studien wurden von Frischfutter-Herstellern finanziert.

Quellen: Algya KM et al. J Anim Sci. 2018;96(9):3670–3683. — Do S et al. J Anim Sci. 2021;99(2):skab028.

  • Darmflora

    Dass sich die Darmflora mit dem Futter verändert, ist gut belegt. Hunde mit frisch gegartem Futter haben eine andere Zusammensetzung der Darmbakterien als Hunde mit Trockenfutter. Ob „anders” auch „besser” bedeutet, ist aber offen. Die Ergebnisse zur Vielfalt der Darmflora widersprechen sich zwischen den Studien, und die Werte lagen bei allen gesunden Hunden im Normalbereich. Die Forschenden selbst beschreiben die Veränderungen als weder gut noch schlecht, sondern einfach anders.

  • Blutfette und Stoffwechsel 

    In der Beagle-Studie hatten Hunde mit getreidefreiem, frisch gegartem Futter niedrigere Triglyceridwerte im Blut als Hunde mit Trockenfutter, obwohl das frische Futter mehr Fett enthielt. Alle Werte lagen allerdings im Normalbereich.

Quellen: Algya KM et al. J Anim Sci. 2018;96(9):3670–3683. — Oba PM et al. Front Vet Sci. 2025;12:1572875; 
Algya KM et al. J Anim Sci. 2018;96(9):3670–3683.

Frisch gegartes Futter für Senior-Hunde

Die bislang längste Studie zum Thema begleitete 22 Senior-Hunde über zwölf Jahre ein ganzes Jahr lang. Die Hälfte blieb bei Trockenfutter, die andere Hälfte bekam frisch gegartes Futter. Schon im ersten Monat veränderten sich bei den frisch gefütterten Hunden zahlreiche Werte im Blut, und die Veränderungen blieben über das ganze Jahr stabil. Unter anderem waren die AGE-Werte niedriger und Stoffe mit antioxidativer Wirkung höher.

Zur Einordnung: Gemessen wurden Stoffwechselwerte im Blut, keine Krankheiten oder Lebenserwartung. Die Studie wurde von einem Frischfutter-Hersteller gemeinsam mit der Cornell University durchgeführt.

Quelle: Yamka R et al. Metabolites. 2025;15(10):676.

Umstellung von Trockenfutter auf ein Frischemenü

Bei einem gesunden Hund ist eine Umstellung von dem einen auf den anderen Tag kein Problem. Wenn dein Hund Probleme mit der Verdauung hat, oder du etwas vorsichtiger sein möchtest, dann stell am besten über etwa eine Woche um, dann kann sich der Verdauungstrakt deines Hundes entspannt an das Futter gewöhnen:

Tag 1–2: 25 % Frischemenü, 75 % bisheriges Futter
Tag 3–4: 50 % Frischemenü, 50 % bisheriges Futter
Tag 5–6: 75 % Frischemenü, 25 % bisheriges Futter
ab Tag 7: 100 % Frischemenü

Als Faustregel gelten 2–3 % Frischemenü pro kg  Körpergewichts pro Tag. Genauer rechnest du mit der Kalorienangabe auf der Packung. Wie das geht, erklären wir in unserem Artikel zu Übergewicht beim Hund.

Häufige Fragen

Ist Trockenfutter ungesund für Hunde?

Nein, nicht grundsätzlich. Ein ausgewogenes Trockenfutter versorgt einen Hund mit allen nötigen Nährstoffen. Studien zeigen aber, dass bei der starken Erhitzung ein Teil der Nährstoffe verändert wird und frisch gegartes Futter besser verdaulich sein kann.

Ist Frischfutter dasselbe wie BARF?

Nein. BARF bedeutet rohe Fütterung. Unsere Frischemenüs sind bei 72 °C schonend gegart, also nicht roh. Durch das Garen werden Keime abgetötet, die in rohem Fleisch vorkommen können.

Warum muss ich vom Frischemenü mehr füttern als vom Trockenfutter?

Weil Frischemenüs viel Flüssigkeit enthalten, Trockenfutter dagegen kaum. Pro Gramm liefert Trockenfutter deshalb mehr Kalorien. Die Faustregel für Frischemenüs liegt bei 2–3 % des Körpergewichts pro Tag.

Wie lange dauert die Umstellung auf ein Frischemenü?

Bei gesunden Hunden kann die Umstellung von Heute auf Morgen erfolgen. Du kannst dir aber auch Zeit lassen und deinen Hund schrittweise über den Zeitraum einer Woche umstellen.

Ist frisch gegartes Futter für Senior-Hunde geeignet?

Ja, die Nutriment Frischemenüs sind auch für Senioren geeignet. Viele ältere Hunde fressen es gern, weil es aromatischer und weicher ist als Trockenfutter. Bei Vorerkrankungen sprich die Futterwahl mit deiner Tierarztpraxis ab.

Fazit

Wie stark Hundefutter erhitzt wird, macht einen messbaren Unterschied: bei der Verfügbarkeit von Nährstoffen wie Lysin, bei der Verdaulichkeit und bei bestimmten Stoffwechselwerten. Die Studienlage ist noch jung, und Trockenfutter ist nicht per se schlecht. Wer aber ein Futter mit möglichst wenig Verarbeitung sucht, findet in schonend gegartem Futter eine gut untersuchte Option.

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Quellen

Algya KM, Cross TWL, Leuck KN et al. Apparent total-tract macronutrient digestibility, serum chemistry, urinalysis, and fecal characteristics, metabolites and microbiota of adult dogs fed extruded, mildly cooked, and raw diets. J Anim Sci. 2018;96(9):3670–3683. — Do S, Phungviwatnikul T, de Godoy MRC, Swanson KS. Nutrient digestibility and fecal characteristics, microbiota, and metabolites in dogs fed human-grade foods. J Anim Sci. 2021;99(2):skab028. — Oba PM, Roberts LJ, Geary EL, Suchodolski JS, Swanson KS. Effects of diet type on the core fecal bacterial taxa and the dysbiosis index of healthy adult dogs. Front Vet Sci. 2025;12:1572875. — Yamka R, Sires R, Wakshlag J, Huson HJ. Serum Metabolomics of Senior Dogs Fed a Fresh, Human-Grade Food or an Extruded Kibble Diet. Metabolites. 2025;15(10):676. — A Comparative Analysis of Maillard-Derived α-Dicarbonyl Compounds and Advanced Glycation End Products in Fresh, Wet, Kibble, and Freeze-Dried Dog Foods. J Anim Physiol Anim Nutr. 2026. — Produktangaben nutriment.de, Frischemenüs, Stand Oktober 2026.